Patanjalis achtgliedriger Pfad

In meiner Instagram-Beitragsreihe habe ich mich mit dem achtgliedrigen Weg des Yoga nach Patanjali beschäftigt. Hier habe ich die einzelnen Beiträge noch einmal als kurze Zusammenfassung zusammengestellt und mit praktischen Beispielen für den Alltag ergänzt.

Yoga begleitet uns nicht nur während einer Einheit auf der Matte. Die acht Glieder des Yoga zeigen, wie sich Achtsamkeit, Klarheit und innere Ruhe auch im täglichen Leben entwickeln können. Sie sind weniger ein starres Regelwerk als eine Einladung, den eigenen Umgang mit anderen, mit sich selbst und mit dem Leben bewusster wahrzunehmen.

Wer war Patanjali?

Patanjali gilt als Verfasser der Yoga-Sutras, eines wichtigen Grundlagentextes der klassischen Yoga-Philosophie. In diesem Werk werden die acht Glieder des Yogawegs beschrieben: Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi.

Die Yoga-Sutras sind keine Anleitung für einzelne Körperübungen im heutigen Sinn. Sie beschäftigen sich vor allem mit dem Geist, mit den Ursachen von Unruhe und mit einem bewussten Weg zu mehr Klarheit. Die Körperhaltungen bilden dabei nur einen Teil eines umfassenderen Weges.

1 Yama – achtsam mit anderen leben

Yama beschreibt den Umgang mit unserer Umwelt und mit anderen Menschen. Dazu gehören unter anderem Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Nicht-Stehlen, Maßhalten und Loslassen.

Im Alltag kann Yama bedeuten, in einem Streit nicht sofort verletzend zu reagieren, ehrlich zu sagen, was man braucht, oder die Zeit und Energie anderer Menschen zu respektieren. Auch bewusst zuzuhören, ohne sofort zu bewerten, ist eine Form von Achtsamkeit.

2 Niyama – liebevoll mit sich selbst umgehen

Niyama richtet den Blick nach innen. Es geht um Selbstfürsorge, Disziplin, Zufriedenheit und die bewusste Pflege von Körper und Geist.

Praktisch kann das heißen, dir trotz eines vollen Tages eine Pause zu erlauben, regelmäßig zu üben oder deinen Körper nicht ständig mit anderen zu vergleichen. Auch ein bewusster Umgang mit deinen Gedanken und die Frage „Was brauche ich gerade wirklich?“ gehören zu Niyama.

3 Asana – Stabilität und Präsenz

Asana bedeutet Körperhaltung. Im Yoga geht es dabei nicht nur darum, besonders beweglich zu sein, sondern eine Haltung bewusst, stabil und mit möglichst wenig unnötiger Anspannung einzunehmen.

Im Alltag kannst du das beim Sitzen am Schreibtisch, beim Stehen in der Küche oder beim Warten an der Kasse üben. Spüre deine Füße, richte dich auf und nimm wahr, wie dein Körper gerade im Raum ist. Eine kleine Veränderung der Haltung kann auch die innere Stimmung beeinflussen.

4 Pranayama – mit dem Atem verbunden

Pranayama beschäftigt sich mit dem bewussten Atem. Der Atem verbindet Körper und Geist und kann uns helfen, ruhiger und präsenter zu werden.

Ein praktisches Beispiel ist eine kurze Atempause vor einem wichtigen Gespräch: Atme langsam durch die Nase ein und etwas länger wieder aus. Auch drei bewusste Atemzüge vor dem Öffnen des Computers oder beim Nachhausekommen können helfen, einen Übergang bewusster zu gestalten.

5 Pratyahara – die Sinne nach innen führen

Pratyahara bedeutet, die Sinne nach innen zu lenken. In einer Welt voller Nachrichten, Geräusche und ständiger Reize kann dieser Rückzug besonders wertvoll sein.

Du kannst das üben, indem du beim Essen das Handy weglegst, Benachrichtigungen für eine Weile ausschaltest oder einen Spaziergang ohne Podcast und Musik machst. Schon wenige Minuten ohne zusätzliche Reize können Raum für die eigene Wahrnehmung schaffen.

6 Dharana – den Geist sammeln

Dharana ist die bewusste Konzentration. Die Aufmerksamkeit wird auf einen bestimmten Punkt gerichtet, ohne jedem neuen Gedanken sofort zu folgen.

Im Alltag kannst du eine Tätigkeit nach der anderen erledigen, statt ständig zwischen Aufgaben zu wechseln. Auch beim Zähneputzen, Kochen oder Trinken einer Tasse Tee kannst du versuchen, ganz bei dieser einen Handlung zu bleiben.

7 Dhyana – in die Meditation finden

Dhyana beschreibt den Übergang von Konzentration in Meditation. Die Aufmerksamkeit bleibt nicht mehr angestrengt bei einem Punkt, sondern wird ruhig, stetig und offen.

Ein einfacher Zugang ist, für fünf Minuten den Atem zu beobachten, ohne ihn verändern zu wollen. Gedanken dürfen auftauchen und weiterziehen. Es geht nicht darum, nichts zu denken, sondern sich nicht von jedem Gedanken mitnehmen zu lassen.

8 Samadhi – Verbundenheit und Ganzheit

Samadhi wird als Zustand tiefer Einheit und Verbundenheit beschrieben. Er ist kein Ziel, das durch Leistung oder Druck erreicht werden kann, sondern ein Erleben von Ganzheit und innerer Klarheit.

Im Alltag können sich kleine Momente von Verbundenheit zeigen: wenn du ganz in einer Tätigkeit aufgehst, einen Sonnenuntergang bewusst wahrnimmst oder dich für einen Augenblick nicht getrennt, sondern eingebunden fühlst. Solche Momente müssen nicht spektakulär sein.

Die acht Glieder müssen nicht als perfekte Reihenfolge verstanden werden. Sie können sich gegenseitig ergänzen und im Alltag immer wieder neu begegnen.

Yoga beginnt auf der Matte. Aber es zeigt sich auch darin, wie wir sprechen, wie wir Pausen machen, wie wir mit unserem Körper umgehen und ob wir uns selbst mit derselben Achtsamkeit begegnen wie anderen.

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Yoga im Alltag: kurz innehalten, bevor der Tag dich einholt