Die U-Bahn fährt ein. Sie ist voll, die Türen gehen auf, und du hast es eilig. Wenn du jetzt nicht einsteigst, kommst du zu spät. Also quetschst du dich hinein, den Rucksack vor der Brust, die Schultern hochgezogen.
Ich kenne diesen Moment gut. Als Frau mit Job, Kind und einem Kalender, der selten Luft lässt, habe ich lange genau so gehandelt: Hauptsache, ich komme mit. Dass die nächste Bahn zwei Minuten später kommt, habe ich nicht gesehen.
Was in diesen zwei Minuten passiert
Wer eine volle Bahn fahren lässt, gewinnt keine Zeit, aber etwas anderes: einen Moment, in dem du selbst entscheidest. Statt automatisch zu reagieren, merkst du, was gerade los ist. Dein Atem ist flach, die Schultern sind oben, der Kiefer ist fest. Das ist keine Schwäche, das ist ein Körper, der den ganzen Tag auf Hochtouren läuft.
Genau hier setzt Yoga im Alltag an, nicht auf der Matte, sondern auf dem Bahnsteig.
Eine Übung für den nächsten Bahnsteig
1. Bleib stehen, wenn die volle Bahn einfährt. Du musst nichts tun.
2. Atme durch die Nase ein und länger durch den Mund aus. Dreimal.
3. Lass die Schultern sinken und spüre kurz deine Füße am Boden.
4. Steig in die nächste Bahn ein, mit etwas mehr Platz um dich herum.
Das klingt klein, und das ist es auch. Aber kleine Schritte sind das, was bleibt. Eine große Veränderung entsteht selten an einem Tag, sondern aus vielen Momenten, die du dir nimmst.
Wo hast du heute deinen Bahnsteig?
Nicht jede hat eine U-Bahn. Bei dir ist es vielleicht die Schlange an der Kassa, das Treppenhaus oder die Minute vor dem nächsten Anruf. Such dir einen Ort aus, an dem du in dieser Woche einmal innehältst.
Mein Kurs im Jänner
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